19. Juli 2010
Am 31. Juli 2000 fiel der Startschuss, 17 Tage und 173 Bieterrunden später der Hammer: Die Versteigerung der UMTS-Mobilfunkfrequenzen durch die damalige Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (heute Bundesnetzagentur) brachte dem Bund umgerechnet 50,8 Milliarden Euro ein. Sechs Bieter hatten UMTS-Lizenzen ersteigert, um in Deutschland Netze für die mobile Datenübertragung aufzubauen.
Es war der höchste Betrag, der weltweit für UMTS-Frequenzen gezahlt wurde. Die Preise für die UMTS-Lizenzen waren der damaligen Euphorie der New Economy geschuldet. Die Telekommunikationsunternehmen litten in den folgenden Jahren unter den finanziellen Belastungen, welche die Lizenzzahlungen und die zusätzlichen Investitionen für den Netzausbau verursachten.
Erschwerend kam hinzu, dass eine Welle von Bürgerinitiativen den UMTS-Ausbau verzögerte und einen finanziellen Schaden von weiteren rund 10 Milliarden Euro verursachte. Fünf Jahre nach der Versteigerung war die Bilanz bescheiden: 2,3 Millionen UMTS-Anschlüsse und kaum nennenswerte Umsätze. Zusätzlich konnte den Konsumenten nicht vermittelt werden, warum sie UMTS buchen sollten, da überzeugende Produkte fehlten bzw. die Preise zu hoch waren.
Um das Jahr 2005 wendete sich das Blatt. Die Netze waren ausgebaut und ausreichend Multimedia-Handys waren im Umlauf. Gleichzeitig fielen die Preise für mobile Datenverbindungen. Den endgültigen Durchbruch brachte schließlich die neue Handy-Generation der hochwertigen Smartphones. Ende 2009 nutzten in Deutschland rund 24 Millionen Menschen UMTS, ein Plus von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der BITKOM rechnet nach einer aktuellen Prognose im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von 28 Prozent auf rund 31 Millionen UMTS-Nutzer.
Der Umsatz mit mobilen Datendiensten wird 2010 laut BITKOM in Deutschland um 8 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro steigen. Damit entfallen inzwischen ein Viertel der Umsätze der Netzbetreiber auf die mobile Datenübertragung.
Während sich UMTS fest etabliert hat, steht die nächste Stufe der mobilen Kommunikation bereits kurz vor der Einführung. Mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE sind deutlich höhere Bandbreiten möglich als heute. LTE steht für Long Term Evolution. Filme oder andere datenintensiven Anwendungen werden so spürbar schneller übertragen. Grundlage für den LTE-Ausbau ist ebenfalls eine Frequenzauktion der Bundesnetzagentur, die im April und Mai 2010 stattgefunden hat. Der Erlös betrug 4,4 Milliarden Euro. Der LTE-Netzausbau hat z. B. bei der Telekom bereits begonnen. Da der Ausbau vor allem in ländlichen Gebieten beginnt, soll in Zukunft die Anzahl der weißen Flecken deutlich abnehmen.